Blubbernde Gedanken und das freundliche Stop-Schild | Teil 1 - 4


25 Apr
25Apr

Teil 1 - Blubbernde Gedanken

Kennst du so Tage wie meine?
Manchmal schlage ich die Augen auf – sehe den grauen Himmel mit seinen dunklen Wolken. Ich höre die dicken Regentropfen gegen mein Fenster trommeln. Blubb – "was für ein Mistwetter."
Alles ist einfach nur dunkel und grau. Blubb – "ist doch klar, dass wieder alle mies drauf sein werden." Blubb – "im Büro wird die Laune auch wieder schlecht sein." Meiner eigenen Laune schenke ich in dem Moment wenig Beachtung, sie ist auch nicht die Beste. Blubb – "mein Chef wird heute auch wieder schlechte Laune haben." Zwischenzeitlich schaue ich auf mein Handy, lese die Nachricht meiner Schwiegermutter, dass sie die Kinder heute nicht zum Sport bringen kann. Blubb – "logisch – sie hat keine Lust bei dem Wetter am Spielfeldrand zu stehen." Blubb – "und eine Rückmeldung bezüglich meiner Gehaltserhöhung habe ich auch noch nicht bekommen." 

Meine Gedanken ver-selbst-ständigen sich und ich steige voll darauf ein. Wie die meisten Menschen habe auch ich täglich zwischen 60.000 und 80.000 Gedanken – ein großer Teil blubbert unbewusst und ungehört vor sich hin. Die Gedanken haben etwas von einer aufsteigenden Blase: So schnell, wie sie da sind, sind sie auch schon wieder weg. Oft lasse ich mich in diesem Karussell treiben, ohne die Gedanken zu betrachten oder in Frage zu stellen. Je öfter ich einen Gedanken denke, desto überzeugter bin ich, dass er wahr ist. Durch die ständige Wiederholung verfestigen sie sich zu meinem Mindset und werden zu meiner festen Überzeugung.
Kleine, anfangs harmlose Gedanken können dadurch ziemlich mächtig werden. So mächtig, dass sie meine Realität mitgestalten. Dabei sind viele Gedanken in meinem Leben einfach übernommen, wenn nicht sogar die meisten. Bei genauerer Betrachtung sind sie weder alle meine eigenen, noch sind sie so richtig frei. 

Ich habe mich eines Tages hingesetzt und jeden aufkommenden Gedanken, den ich mit meinem Bewusst-sein erfassen konnte, notiert.Was meinst Du, wie viele der Gedanken habe ich von meinen Eltern übernommen, wie viele von meinem Umfeld? Viele Gedanken sind geprägt durch meine Familie. Ich darf sie betrachten und hinterfragen und ihnen mit Aufmerksamkeit begegnen – das ist meine Herausforderung.
Nochmal zurück zum Beispiel mit dem Wetter: Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Wetter und der Stimmung der Menschen? Das Wetter ist so, wie es ist. Erst durch meine Bewertung wird es dann zu einem Problem.
Und genau die negative Betrachtung des Wetters prägt dann meine Emotionen. Die Emotionen beeinflussen meine Reaktion auf die Absage meine Schwiegermutter und diese immer währende Wiederholung wird dann oftmals zur Gewohnheit.
Blubb: „Glaube nicht alles – was du denkst.“
Wie wir die Aufmerksamkeit über unsere Gedanken aktivieren können, erfährst Du nächste Woche. 

Alles Liebe, Karolina


Teil 2 - das freundliche Stop-Schild

Das uns so gut bekannte Gedanken-Karussell nennen die Buddhisten «MonkeyMind». Buddha soll die durch den Kopf huschenden Gedanken mit Äffchen verglichen haben, die unentschlossen und ruhelos von Ast zu Ast hüpfen.
Ich finde das ein sehr schönes Bild, denn ebenso wie beim schwindelerregenden Kreisen des Karussells, wird einem bei der Vorstellung von schnatternden und aufgeregten Äffchen bewusst, wie anstrengend es sein kann, wenn wir uns nicht mehr von unseren rasenden Gedanken lösen können. Damit das Anhalten dennoch gelingen kann, scheint ein Stop-Schild gerade richtig.

Um den MonkeyMind zu zähmen, wird im Buddhismus die Meditation empfohlen, sowie die Gedanken auf das «Hier und Jetzt» zu lenken. Ich gebe zu, dass ich zu Anfang, als ich mich vor einigen Jahren mit dem Thema MonkeyMind beschäftigt habe, kopfnickend und dennoch sehr zweifelnd entschied, es fortan, d.h. beim nächsten Gedanken-Karussell, mit einer Meditation zu versuchen….

In diesem Blog geht es um das «freundliche» Stop-Schild. Das mit dem «freundlich» ist deshalb wichtig, weil das Stop-Schild einen positiven Effekt erzielen soll.
Bei mir war es nämlich so: Ich hing mal wieder fest in meinen Gedanken und mein MonkeyMind lief auf Hochtouren. Der richtige Moment, um eine Meditation zu machen. Die Frage war bloß: Wie sollte ich das umsetzen? Ich war nicht geübt im Meditieren…. Die neuen Gedanken, es falsch zu machen, beruhigten mein Gedanken-Karussell auf keine Art und Weise, ganz im Gegenteil, es wurde noch viel schlimmer…. 

Dennoch war ich davon überzeugt, daß es auch für mich einen Weg geben würde… und dann stieß ich auf ein Video, in dem ein buddhistischer Mönch genau dieses Thema aufnahm. Er erklärte, dass «meditieren» ganz einfach sein kann. Drei bewusste Atemzüge seien okay und völlig ausreichend. 

Und Wow! Was für ein Erlebnis - es stimmt! Mit all meinen Sinnen dreimal tief durchatmen – und meine Gedanken werden ruhiger. Wie durch ein kleines Wunder befinde ich mich dann nicht mehr gedanklich in einer mich stressenden Zukunft oder Erinnerung, die ich gerne verändern möchte, sondern im «Hier und Jetzt». Dieser Moment und ist er noch so klein, hat etwas Ruhiges und gibt mir dann meist die Möglichkeit und den Raum, aus dem Karussell auszusteigen und meine Gedanken neu auszurichten. 

Stefanie Stahl, die Autorin von «Das Kind in dir muss Heimat finden» hat es – aus meiner Sicht – in einem Interview vollends auf den Punkt gebracht. Ihr Satz «Ertappen und Umschalten» wurde für mich zur Kurzanleitung meines freundlichen Stop-Schildes. Nämlich:

1. Ertappen = bewusst werden, dass der MonkeyMind gerade aktiv ist
2. Umschalten = bewusst atmen, damit ich eine andere Ebene finde, die es mir ermöglicht neue und ruhigere Gedanken zu fassen. 

Alles Liebe, Monica


Teil 3 - Prägungen & die Kraft des "in Frage stellen"

Prägungen und ihre Auswirkung auf das Leben 
Sind unsere Gedanken wirklich frei? Oder spielt uns unser immerwährendes Gedanken-Karussell nicht allzu oft doch einen Streich? Die meisten unserer Gedanken wiederholen wir täglich, da ist nicht viel Spielraum für neue Perspektiven und Erfahrungen. Klar, wir wollen Energie sparen und unser Gehirn ist auf Sparmodus ausgelegt, in Frage stellen ist unbequem! Und kostet Kraft – viel Kraft.

Ich kann es nicht für dich sagen, weiß jedoch für mich: Ich darf meine Gedanken oft bremsen und mich nochmal ernsthaft fragen, ob das, was ich denke, wirklich wahr ist. Vorschnell treffe ich Entscheidungen, beurteile und lege mich fest und habe mir damit in meinem Leben schon so einige Chancen verbaut. Woher ich das weiß? Weil ich gelernt habe, mir genauer zuzuhören und das, was ich sage und behaupte, in Frage zu stellen. Doch dazu gleich mehr…

… erstmal eine von vielen Geschichten, aus meinem Leben:

Auf einem Internetportal hatte ich eine Anzeige von einem traumhaften kleinen Hause entdeckt.

Das Haus, der Preis, der Ort waren perfekt und wie für meine Familie und mich gemacht. Trotzdem hätte ich mich fast nicht um dieses Haus beworben, da meine Gedanken sich verselbstständigten: „Es gibt bestimmt viele Bewerber…“ „Deine Chancen sind minimal…“ „Das ist doch viel zu schön, um wahr zu sein…“ „Wieso sollten sie das ausgerechnet uns geben…“ Ich habe mich dann trotz meiner limitierenden Gedanken beworben. Und jetzt lebe ich mit meiner Familie in unserem Traumhaus.

Doch woher kommt der Gedanke, dass ich keine Chance habe? Er beruht auf Erfahrungen und Prägungen! Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der meine Voraussetzungen nicht optimal waren. Ich habe mich auf Wohnungen beworben und Absagen bekommen. Diese Zeit hat mich geprägt – heute merke ich wie sehr. Als alleinerziehende Mutter von einem kleinen Baby waren die Voraussetzungen andere als heute. Dennoch trage ich diese Erfahrungen immer noch in mir und lasse sie mein Erleben von heute mitbestimmen. Hätte ich meine vorgefassten Erwartungen, das Haus nicht zu bekommen, einfach geglaubt, statt sie zu hinterfragen, dann wäre ich ganz schön aufs Glatteis geraten und hätte mich und meine Familie um unser Traumhaus gebracht.

Diese Gedanken und Erwartungen blockieren die Fähigkeit, frei zu denken oder etwas einfach zu probieren. Und selbst, wenn das dann mal nicht auf Anhieb klappt, heißt das noch lange nicht, dass sich die Erfahrungen wieder bestätigt haben. Es kann auch ganz andere Gründe haben. Lass dich davon nicht abhalten in kleinen Schritten weiterzugehen und Neues zu probieren. Denn manchmal kommt auch etwas ganz Wunderbares dabei heraus.

Deine Karolina

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Die Kraft des "in Frage stellens" 

Uns oder etwas in Frage stellen - ist es nicht gerade das, was wir ständig machen, wenn das Gedanken-Karussell Fahrt aufnimmt? Sind es nicht auch diese unbeantworteten und wiederkehrenden Fragen, die uns schlaflose Nächte bereiten? Wir wissen aus der Hirnforschung, dass wir 60'000 – 80'000 Gedanken am Tag denken. Interessanterweise sind ca. 90% der Gedanken dieselben, wie die am Vortag. Das ist spannend, denn es könnte eine Erklärung dafür sein, weshalb wir im Gedanken-Karussell hängen bleiben und weshalb auch immer wieder dieselben (unbeantworteten) Fragen auftauchen. Diese Erklärung dürfte unseren Verstand etwas beruhigen, denn es bedeutet, dass wir durch achtsames Wahrnehmen etwas ändern können. Und was genau sollen wir wahrnehmen?

Als erstes müssen wir uns in eine Beobachterposition begeben, uns einen Schritt hinter uns stellen, um uns selbst zu beobachten.

Aus dieser (Vogel-) Perspektive können wir uns die folgenden Fragen stellen: 

  • Sind es wirklich meine eigenen Gedanken? Oder sind es übernommene Gedanken?
  • Benutze ich in meinem Gedanken-Karussell Worte wie  «sollte, müsste, könnte….»?

Übernommene Gedanken, die wir als Prägung durch unser Umfeld übernehmen, dürfen nochmals angeschaut werden und in einem weiteren Schritt, den eigenen Gedanken Platz machen. Bei den «sollte, müsste, könnte»-Gedanken geht es ebenfalls darum, zu erforschen, weshalb wir den Konjunktiv benutzen. Durch dieses bewusst werden, gelingt es aus dem Gedanken-Karussell auszusteigen. 

Alles Liebe, Monica

Teil 4 - Rückblick auf das Monatsthema

Meine Gedanken können mich manchmal ziemlich quälen, besonders wenn sie mir den Schlaf rauben, ich mich nicht mehr auf meine Arbeit oder meinen Alltag konzentrieren kann. 

Dann beanspruchen sie meine gesamte Aufmerksamkeit und es kommt zu gebetsmühlenartigen Wiederholungen der gleichen Aussagen oder Fragen.

Tipps und Tricks für den Umgang und das "Aussteigen" aus dem belastenden Gedanken-Karussell finden sich in Büchern und Zeitschriften sehr viele:

  • sich ablenken (Musik hören, spazieren gehen,...)
  • die Gedanken aufschreiben (Journaling)
  • aufräumen / aktiv sein

um nur ein paar Strategien aufzuzählen.

Der Fokus liegt interessanterweise oft nur auf dem "Aussteigen" aus den wiederkehrenden Gedanken, sie anzuhalten, um dann, wie gewohnt, weitermachen zu können und zur Tagesordnung zurückzukehren.

Aus meiner Sicht ist das "Anhalten" des Gedankenkarussells aber nur der Anfang! Durch die ständige Wiederholung haben sie viel Aufmerksamkeit von mir bekommen. Statt mich von ihnen abzulenken, kann ich mich jetzt mit ihnen beschäftigen und herausfinden, weshalb ich gerade in ihnen festhänge. Jetzt liegt es an mir die angehaltenen Gedanken von außen zu betrachten und zu fragen, worum es eigentlich geht. Statt mich in den immer gleichen Sog hineinziehen zu lassen, habe ich jetzt die Möglichkeit mein Karussell aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Wenn ich bereit bin, aus dem Karussell nicht nur auszusteigen und mich abzulenken, sondern an den Gedanken zu arbeiten und zu hinterfragen, öffne ich mich auch für neue Gedanken und für das, worum es wirklich geht. Probier es doch mal aus! Ich wünsche dir viele Aha-Momente!

Alles Liebe, Karolina

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Wie passend! 

Die Uhr zeigte 4:30 Uhr  - eigentlich nicht die Zeit, zu der ich wach werden wollte… trotzdem war ich gleich hellwach und das Gedanken-Karussell hat sofort Fahrt aufgenommen. Meine erste Reaktion war «echt jetzt?» dann ertappe ich mich zum Glück dabei, eben diesen Gedanken zu denken. Ich halt kurz inne und überlege mir wie es weiter gehen könnte: 

  • Ich kann mich ärgern oder
  • Ich nehme es wie es ist

Ich ärgere mich
Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass mich an diesem "mitten in der Nacht erwachen", am meisten ärgert, dass ich dadurch viel zu wenig Schlaf bekomme. Das wiederum bedeutet nichts anderes, als dass sich ein schlechter Tag ankündigt. Neben dem eigentlichen Thema, das mich wach liegen lässt, rasen nun auch noch diese Gedanken mit… eigentlich ist alles schlimm und überhaupt… Zum Glück gibt es noch 

Ich nehme es wie es ist
Tatsächlich hilft es mir sehr, wenn ich es schaffe zu erkennen / mich zu ertappen, dass ich eingestiegen bin in mein Gedanken-Karussell. Ich atme tief durch und mache mir bewusst, dass es wohl nur ein Glaubenssatz ist, dass ich zu wenig Schlaf bekomme und dadurch einen schlechten Tag haben werde. Erst die Erfahrung, der Rückblick am Abend, werden mir mehr dazu sagen können. Also entscheide ich mich sehr bewusst nicht mehr über einen möglichen Schlafmangel nachzudenken.  Es ist jedoch noch nicht geschafft, denn sogleich blubbt das eigentliche Thema auf, welches für das Gedanken-Karussell verantwortlich ist. Nun geht es ums «Umschalten» ich atme nochmals tief durch, eine gewisse Beruhigung setzt ein, hat jedoch noch nicht den gewünschten Erfolg. Umschalten bedeutet für mich auch, die Gedanken umzuleiten. Einen neuen Fokus zu setzen und damit die Aufmerksamkeit bewusst auf ein anderes, für mich angenehmes Thema zu lenken. Und siehe da, es gelingt. Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker. Offensichtlich bin ich wieder eingeschlafen. 

Ich wünsche allen ganz viele gute Erfahrungen beim «Ertappen & Umschalten»! 

Alles Liebe, Monica

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